Arbeitsgruppe: Gesprächsführung
Station: Aufklärungsgespräch
Theorie
Gesprächsphasen
- Gesprächseinführung
- Aufklärung des Sachverhaltes und weiterer Vorfälle
- Mögliche Hintergründe herausfinden
- Hilfsangebote und nächste Schritte klären
- Gesprächsabschluss
- Tipps & Materialien
- Organisiere im Vorfeld eine ruhige und geschützte Gesprächsatmosphäre.
- Bereite dich gut auf das Gespräch vor, nehme dir Zeit und stelle einen Ruhepol dar.
- Vertraulichkeit erklären
- Verständnis zum Notizenmachen einholen: „Ich würde mir gerne Notizen machen, um nichts zu übersehen oder zu vergessen. Ist das okay für dich?“
- Hinweis: Helfen und sich Hilfe holen ist nicht petzen.
- Grundsatz-Haltung kommunizieren: „Ich möchte dir gerne helfen, weil ich den Eindruck habe, dass es dir momentan nicht wirklich gut geht in der Schule. Jede Schüler:in in unserer Schule hat das Recht, mit einem guten Gefühl ohne Angst in die Schule gehen zu können, auch du.“
- Aktuellen Gefühlszustand ermitteln: „Wie fühlst du dich momentan auf einer Skala von 1–10?“
- Was genau ist passiert?
- Ist so etwas schon häufiger vorgefallen?
- Wie lange geht das schon?
- Gab es noch andere Vorfälle?
- Wer ist noch daran beteiligt?
Hinweis: Trage nach dem Gespräch weitere Vorfälle in Clama nach. Dabei sollte der Schalter zunächst auf „unsichere Information“ in der Vorfallseingabemaske eingestellt werden, sofern nicht sicher validiert werden kann, dass die Erzählungen wahrheitsgemäß sind.
Diese Fragen sind besonders wichtig, um einen Konflikt von Schikane oder Mobbing unterscheiden zu können.
- Gab es vorher einen konkreten Anlass oder Streit?
- Was ist davor passiert?
- Habt ihr einen Grund, warum ihr nicht miteinander klarkommt?
- Gibt es einen Konflikt, der schon länger besteht?
Wenn es einen konkreten Grund gibt: Dann kann ein Konflikt vorliegen. Typische Auslöser sind zum Beispiel:
- Meinungsverschiedenheiten
- Interessenskonflikte
- fehlende Absprachen
- fehlendes Vertrauen
- Enttäuschungen
Beispiel: Auf dem Fußballplatz entsteht Streit darüber, wer spielen darf oder wer den Ball bekommt.
Bei einem Konflikt gibt es also ein konkretes Problem oder einen Anlass, an dem gemeinsam gearbeitet werden kann.
Wenn es keinen konkreten Grund gibt: Antwortet das Kind beispielsweise mit „Eigentlich ist vorher nichts passiert“ oder „Es gibt keinen Grund“, kann das ein Hinweis auf Schädigungsabsicht sein. Dann geht es nicht um ein gemeinsames Problem, sondern darum, dass eine Person oder Gruppe eine andere Person gezielt:
- beleidigt
- ausgrenzt
- lächerlich macht
- bedroht
- körperlich angreift
Mögliche Motive können dabei zum Beispiel Macht, Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Status in der Gruppe sein.
Wichtig: Merkmale wie Aussehen, Kleidung, Hobbys, Verhalten, Religion, Hautfarbe, politische Äußerungen oder Interessen, Freunde, Familie oder Vermögen sind keine inhaltlichen Konfliktgründe, die gemeinsam gelöst werden müssen. Sie können als Angriffsfläche oder Vorwand genutzt werden, um eine Person abzuwerten, zu verunsichern oder zu schikanieren.
Einfach zu merken: Bei einem Konflikt gibt es ein Problem, für das eine Lösung gefunden werden kann. Bei gezielter Schikane gibt es häufig kein gemeinsames Problem – das schikanierende Verhalten selbst ist das Problem.
Mögliche Erklärung für das Kind:
„Du musst dich nicht verändern, damit andere dich respektvoll behandeln. Du darfst so sein, wie du bist.“
Ziel ist es, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, welche Unterstützung jetzt hilfreich und gewünscht ist.
- Was wünschst du dir von mir?
- Wie kann ich dir aus deiner Sicht helfen?
- Möchtest du, dass ich dir helfe?
- Wer könnte für dich eine feste Ansprechperson sein?
„Zu wem kannst du gehen, wenn wieder etwas passiert?“ - Regelmäßige Check-ins vereinbaren:
„Ich würde gerne in den nächsten Tagen immer mal wieder kurz bei dir nachfragen, wie es dir geht.“ - Risikopunkte identifizieren:
„Gibt es Orte, Zeiten oder Situationen, in denen du dich besonders unsicher fühlst?“ - Weitere Unterstützung anbieten:
z. B. Schulsozialarbeit, Klassenleitung oder eine andere vertraute Person
Mögliche nächste Schritte:
- 👤 Feste Ansprechperson benennen
Wer ist für das Kind sofort erreichbar, wenn wieder etwas passiert? - 🔁 Regelmäßige kurze Gespräche vereinbaren (Check-ins)
Aktiv nachfragen und nicht darauf warten, dass sich das Kind selbst meldet. - 📍 Risikopunkte identifizieren
Kritische Orte, Zeiten und Situationen gemeinsam benennen und gezielt im Blick behalten. - 👥 Weitere Fachkräfte einbeziehen
Falls notwendig z. B. Schulsozialarbeit, Klassenleitung oder weitere zuständige Personen hinzunehmen. - 🛡️ Schutzmaßnahmen transparent erklären
Das Kind sollte wissen, was jetzt konkret passiert, wer etwas übernimmt und wie es geschützt wird.
- Unterstützung klarstellen:
„Dieses geschilderte Verhalten werden wir hier nicht weiter dulden. Ich werde dich weiter unterstützen und bin für dich da.“ - Folgetermin vereinbaren:
„Ich würde gerne nächste Woche noch einmal mit dir sprechen. Wann würde es dir passen?“ - Nächste Schritte kurz zusammenfassen:
Wer kümmert sich worum? Wann wird wieder gesprochen? An wen kann sich das Kind wenden, wenn vorher etwas passiert?
Tipp 1: Gesprächstechniken
- Zum Reden einladen: offene Fragen stellen und Pausen aushalten.
„Magst du mir erzählen, was passiert ist?“ - Aktiv zuhören: kurze Rückmeldungen geben.
„Mhm.“ – „Das ist interessant.“ – „Erzähl gerne weiter.“ - Spiegeln und paraphrasieren: Gesagtes mit eigenen Worten zurückgeben.
„Du hattest also das Gefühl, dass du in der Situation ganz allein warst?“ - Behutsam nachhaken:
„Was ist davor passiert?“ – „Und was ist dann passiert?“ - Skalierungsfragen nutzen:
„Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie unwohl fühlst du dich momentan damit?“ - Empathisch reagieren und Gefühle benennen:
„Ich kann verstehen, dass dich das traurig oder wütend macht.“
Tipp 2: Gefühlskarten
Manchen Kindern fällt es leichter, Gefühle auszuwählen oder zu zeigen, als sie spontan zu benennen. Gefühlskarten können beim Einstieg, beim aktuellen Befinden oder bei der Frage „Wie hast du dich in dieser Situation gefühlt?“ unterstützen.
Beispiel: Gefühlskarten bei Amazon
Tipp 3: Schreiben statt erzählen
Nicht jedes Kind möchte einen Vorfall direkt mündlich schildern. Als Alternative kann das Kind den Vorfall zunächst aufschreiben.
Beispiel: Beweisbuch – mit den Feldern „Wer war beteiligt?“, „Was ist passiert?“, „Wo ist es passiert?“, „Wie habe ich mich gefühlt?“ und „Weitere Notizen“. Hier Beweisbuch herunterladen
Tipp 4: Ruhige Nebenbeschäftigung
Manche Kinder sprechen leichter, wenn sie währenddessen etwas in der Hand haben oder nebenbei etwas Ruhiges tun. Geeignet sind zum Beispiel:
- malen oder kritzeln
- Knete
- Stressball
- Fidget-Spielzeug
- LEGO oder Bausteine
- kleines Puzzle
- Karten sortieren
- eine einfache Runde UNO
Tipp 5: Weitere Schritte im Hintergrund
Zusätzlich können Maßnahmen im Schulalltag helfen, die Sicherheit des betroffenen Kindes zu erhöhen:
- 👀 Aufsicht gezielt erhöhen: bekannte Risikosituationen und kritische Bereiche bewusster beobachten
- 📍 Risikopunkte im Kollegium transparent machen: relevante Orte, Zeiten und Situationen gemeinsam im Blick behalten