Arbeitsgruppe: Gesprächsführung

Station: Mediationsgespräch

Phase 1
Zielsetzung
Phase 2
Theorie
Phase 3
Praxisübung
Phase 4
Anwendung in Clama

Praxisübung

Reflexionsgespräch im Rollenspiel üben

👁️ Der Fall

Max hat Moritz vor einigen Tagen seinen Tischtennisschläger ausgeliehen. Der Schläger bedeutet Max viel und er hatte Moritz ausdrücklich gebeten, gut darauf aufzupassen und ihn am nächsten Tag wieder mitzubringen.

Moritz hat den Schläger jedoch mehrfach vergessen. Inzwischen weiß er nicht mehr genau, wo er ihn zuletzt hatte. Möglicherweise ist der Schläger verloren gegangen.

In der Frühstückspause fragt Max Moritz erneut nach dem Schläger. Moritz reagiert genervt und sagt, Max solle sich „nicht so anstellen“. Max wird laut und wirft Moritz vor, dass man sich auf ihn nie verlassen könne. Moritz erwidert, Max übertreibe völlig. Die Situation eskaliert verbal, bis eine Lehrkraft eingreift.

Hinter dem sichtbaren Konflikt liegen unterschiedliche Gefühle und Bedürfnisse:

  • Für Max geht es um Vertrauen, Verlässlichkeit und darum, dass ihm der Schläger wichtig ist.
  • Für Moritz geht es unter anderem darum, sich nicht ständig beschuldigt und unter Druck gesetzt zu fühlen.

Hier liegt ein echter Konflikt vor: Beide Seiten haben nachvollziehbare Interessen und es gibt ein konkretes gemeinsames Problem, für das eine Lösung gefunden werden kann.

📝 Aufgabenstellung

Teilt euch in drei Rollen auf:

  • Max
  • Moritz
  • mediierende Lehrkraft

Führt ein Mediationsgespräch und orientiert euch an den zuvor kennengelernten Gesprächsphasen.

Achtet insbesondere darauf:

  • beide Perspektiven sichtbar zu machen
  • nicht nur über den Tischtennisschläger zu sprechen, sondern die Gefühle, Erwartungen und Bedürfnisse dahinter herauszuarbeiten
  • gegenseitige Vorwürfe möglichst in Ich-Botschaften zu überführen
  • einen Perspektivwechsel anzuregen
  • gemeinsam eine Lösung zu entwickeln
  • am Ende eine konkrete Vereinbarung festzuhalten

    Person A: Rollenkarte Max (Konfliktpartei 1)

    Du bist Max.

    • Du bist richtig sauer auf Moritz.
    • Der Tischtennisschläger bedeutet dir viel und du findest es völlig daneben, dass Moritz nicht weiß, wo er ist.
    • Du denkst: „Auf Moritz kann man sich einfach nicht verlassen.“
    • Eigentlich hast du gar keine Lust mehr, lange darüber zu reden.
    • Am liebsten würdest du sagen: „Dann ist die Freundschaft halt vorbei.“
    • Du findest, dass Moritz sich entschuldigen und den Schläger ersetzen muss.
    • Wenn Moritz sich rechtfertigt, wirst du schnell noch wütender.
    • Du benutzt eher Du-Botschaften und pauschale Aussagen wie:
      • „Du machst sowas immer.“
      • „Dir ist doch alles egal.“
      • „Auf dich kann man sich nie verlassen.“
    • Was dich eigentlich besonders verletzt: Du hattest Moritz vertraut und hast das Gefühl, dass ihm das völlig egal war.

    Wichtig: Gib nicht sofort nach. Die Lehrkraft muss erst dafür sorgen, dass du ruhiger wirst und genauer ausdrückst, was dich eigentlich verletzt.

      Person B: Rollenkarte Lehrkraft (führt das Mediationsgespräch)

      Du moderierst das Gespräch zwischen Max und Moritz.

      Achte darauf:

      • beide Seiten gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen
      • konkrete Situationen statt allgemeiner Vorwürfe zu besprechen
      • Aussagen wie „Du bist immer …“ oder „Du machst nie …“ in Ich-Botschaften umzulenken
      • Gefühle und Bedürfnisse hinter den Positionen herauszuarbeiten
      • einen Perspektivwechsel zu ermöglichen
      • Lösungen nicht vorzugeben, sondern von Max und Moritz entwickeln zu lassen
      • am Ende eine konkrete Vereinbarung festzuhalten

      Das Eisbergmodell kann dir dabei helfen, vom sichtbaren Konflikt auf die darunterliegenden Themen wie Vertrauen, Verlässlichkeit, Enttäuschung und Wertschätzung zu kommen.

      💡 Zusätzliche Idee: In Clama findest du bei den Handlungsempfehlungen eine Vorlage für einen Entschuldigungsbrief. Überlege, ob dieser im Anschluss an das Gespräch eine passende Maßnahme sein könnte, und schlage das Schreiben eines Entschuldigungsbriefes nach der gemeinsamen Lösung ggf. vor:


      Person C: Rollenkarte Moritz (Konfliktpartei 2)

      Du bist Moritz.

      • Du findest, dass Max komplett übertreibt.
      • Ja, du hast den Schläger vergessen und weißt gerade nicht genau, wo er ist.
      • Aber du hast ihn nicht absichtlich verloren.
      • Es nervt dich extrem, dass Max dich ständig darauf anspricht.
      • Besonders wütend macht dich der Satz: „Auf dich kann man sich nie verlassen.“
      • Du fühlst dich dadurch angegriffen und unfair beurteilt.
      • Deshalb reagierst du eher genervt und abwehrend:
        • „Jetzt stell dich nicht so an.“
        • „Ich hab ihn doch nicht mit Absicht verloren.“
        • „Du tust so, als wäre das das Schlimmste überhaupt.“
        • „Du nervst mich damit die ganze Zeit.“
      • Eigentlich weißt du, dass du nicht gut mit dem Schläger umgegangen bist, aber du möchtest das nicht sofort zugeben.
      • Du willst vor allem, dass Max aufhört, dich ständig zu beschuldigen.

      Wichtig: Lass dich nicht sofort auf eine Entschuldigung oder Lösung ein. Die Lehrkraft muss erst dabei helfen, dass du deinen eigenen Anteil erkennst.