Arbeitsgruppe: Gesprächsführung
Station: Reflexionsgespräch
Praxisübung
Reflexionsgespräch im Rollenspiel üben
👁️ Der Fall
Am 24.09.2026 um 10:13 Uhr kam es in der Pause auf dem Fußballplatz zu einem körperlichen Vorfall zwischen Max, Kim und Noa. Während des Fußballspiels wurde Max zunehmend wütend. Kim hatte kurz zuvor ein Tor geschossen. Einen konkreten Konflikt zwischen Max und Kim gab es vorher nicht.
Max trat Kim. Als die Pausenaufsicht die Situation bemerkte, forderte sie Max bereits aus einiger Entfernung mehrfach deutlich auf, sofort aufzuhören. Max reagierte zunächst nicht auf das Stopp-Signal und setzte sein Verhalten fort.
Kim benötigte anschließend ein Kühlpack. Sie wurde bereits in einem separaten Aufklärungsgespräch zu ihrer Sicht auf den Vorfall befragt.
Nun soll mit Max ein Reflexionsgespräch geführt werden.
Weitere grundsätzliche Informationen für alle Rollen:
- In den vergangenen Wochen kam es bei Max vermehrt zu körperlichen Auseinandersetzungen.
- Mehrere dieser Situationen fanden auf dem Fußballplatz bzw. in Pausensituationen statt.
- Eine aktuelle Herausforderung besteht darin, dass Max in eskalierenden Situationen nicht zuverlässig auf Stopp-Signale von Lehrkräften reagiert.
📝 Aufgabenstellung
1. Teilt euch in drei Rollen auf:
- Max – ausübendes Kind
- Lehrkraft
- Beobachtende Person (Wenn ihr zu viert seid, gibt es zwei beobachtende Personen.)
Wichtig: Öffnet jeweils nur eure eigene Rollenkarte, damit die Gesprächssituation möglichst realistisch und unvorbereitet bleibt. Das gilt insbesondere für die Rollenkarte „Lehrkraft“.
2. Öffnet eure Rollenkarte und beschäftigt euch kurz mit eurer Rolle und den darin enthaltenen Aufgaben.
3. Führt ein Reflexionsgespräch mit Max.
4. Entwickelt im Gespräch gemeinsam mindestens eine konkrete Zielvereinbarung für die nächsten Wochen.
5. Anschließend gibt die beobachtende Person Feedback zu insbesondere folgenden Punkten:
-
- ob die zentralen Gesprächsphasen berücksichtigt werden,
- ob Max selbst Lösungen entwickeln kann,
- und ob das vereinbarte Ziel konkret, realistisch und überprüfbar ist.
Person A: Rollenkarte Max (ausübendes Kind)
Du bist Max und warst an dem Vorfall auf dem Fußballplatz beteiligt.
Das weißt du über die Situation:
- Du bist sehr gerne auf dem Fußballplatz und verbringst dort fast jede Pause.
- In den letzten Wochen ist es dort immer wieder zu Situationen gekommen, in denen du sehr schnell wütend geworden bist.
- Heute hat Kim beim Fußball ein Tor geschossen.
- Du hast dich darüber stark geärgert und bist immer wütender geworden.
- Schließlich hast du Kim getreten.
- Einen wirklichen Grund dafür kannst du selbst nicht benennen.
- Du weißt im Nachhinein, dass Kim nichts getan hat, was dein Verhalten rechtfertigt.
- Als eine Lehrkraft „Stopp“ gerufen hat, hast du zwar gehört, dass sie etwas von dir wollte, aber nicht sofort aufgehört.
- Wenn du sehr wütend bist, fällt es dir schwer, deine Handlung zu unterbrechen.
- Du willst eigentlich nicht ständig Ärger bekommen und findest es selbst schwierig, dass solche Situationen immer wieder passieren.
Wichtig: Erzähle nicht alles sofort. Reagiere auf die Fragen der Lehrkraft und überlege im Gespräch, was dir helfen könnte, früher zu stoppen und anders zu reagieren.
Person B: Rollenkarte Lehrkraft (führt das Aufklärungsgespräch)
Du führst mit Max ein Reflexionsgespräch zum Vorfall auf dem Fußballplatz.
Zusätzlich zu den allgemeinen Fallinformationen kannst du in Clama sehen, dass:
- es in den letzten Wochen wiederholt zu körperlichen Auseinandersetzungen kam:

- mehrere Vorfälle auf dem Fußballplatz stattgefunden haben:

- bisher vor allem Elterninformationen und eine Ermahnung als Maßnahmen dokumentiert wurden:

Dein Ziel ist nicht nur zu klären, was passiert ist. Max soll sein eigenes Verhalten reflektieren und gemeinsam mit dir überlegen, wie er in ähnlichen Situationen zukünftig anders handeln kann.
Behalte folgende Gesprächsschritte im Blick:
- Gespräch eröffnen: Ziel und Rahmen transparent machen
- Situation aufklären: Max zunächst seine Sicht erzählen lassen
- Gefühle und Beweggründe reflektieren: Was hat ihn in der Situation beschäftigt oder wütend gemacht?
- Perspektivwechsel fördern: Wie könnte Kim die Situation erlebt haben?
- Erwartungen und Regeln klären: Welche Grenze wurde überschritten?
- Alternativen entwickeln: Was hätte Max anders machen können?
- Ziel vereinbaren: Gemeinsam eine konkrete Verhaltensänderung festlegen
- Unterstützung klären: Was braucht Max, damit ihm die Veränderung gelingt?
- Abschluss: Vereinbarung und weiteres Vorgehen zusammenfassen
Besondere Herausforderung: Versuche gemeinsam mit Max ein Ziel zu entwickeln, das ihm hilft, in eskalierenden Situationen auf das Stopp-Signal einer Lehrkraft zu reagieren und seine Handlung zu unterbrechen.
Formuliere das Ziel nicht einfach für Max, sondern entwickle es möglichst gemeinsam mit ihm.
Person C: Beobachtende Person (gibt den anderen beiden Feedback)
Beobachte das Gespräch zwischen Max und der Lehrkraft und greife währenddessen nicht ein.
Achte bei der Gesprächsführung darauf:
- Darf Max die Situation zunächst aus seiner Sicht schildern?
- Werden Gefühle und Beweggründe angesprochen?
- Unterstützt die Lehrkraft einen Perspektivwechsel?
- Werden schulische Grenzen und Erwartungen klar, ohne Max abzuwerten?
- Entwickelt Max selbst alternative Handlungsmöglichkeiten?
- Werden nicht nur Konsequenzen besprochen, sondern auch zukünftiges Verhalten?
- Bekommt Max ausreichend Gelegenheit, eigene Lösungen und Vorschläge einzubringen?
- Wird geklärt, welche Unterstützung Max für die Veränderung benötigt?
- Wird am Ende eine konkrete Vereinbarung getroffen und zusammengefasst?
Achtet besonders auf die Zielvereinbarung.
Eine mögliche Orientierung bietet das SMART-Prinzip. Das folgende Beispiel ist eine mögliche Lösung – andere sinnvolle Ziele sind ausdrücklich möglich.
- Spezifisch: Max reagiert auf ein vereinbartes Stopp-Signal einer Lehrkraft innerhalb weniger Sekunden, unterbricht seine aktuelle Handlung und befolgt die Anweisung.
- Messbar: Die Zielerreichung wird anhand einer fünfstufigen Bewertungsskala eingeschätzt:
nicht erreicht → selten erreicht → teilweise erreicht → überwiegend erreicht → sicher erreicht - Erreichbar / realistisch: Das Reagieren auf das Stopp-Signal wird regelmäßig in kurzen, alltagsnahen Situationen geübt. Erfolgreiches Reagieren wird unmittelbar positiv verstärkt.
- Relevant: Das Ziel hilft Max, eskalierende Situationen frühzeitig zu unterbrechen und unterstützt eine schnelle Deeskalation sowie einen sicheren Schulalltag.
- Terminiert: Die Entwicklung wird über einen Zeitraum von sechs Wochen beobachtet und anschließend gemeinsam ausgewertet.
Entscheidend ist nicht nur das Ziel selbst. Achtet darauf, ob gemeinsam geklärt wird:
- Wie kann Max das Ziel erreichen?
- Was macht Max konkret, wenn er das Stopp-Signal hört?
- Wie unterstützt die Schule ihn dabei?
- Wer beobachtet die Entwicklung?
- Wann wird das Ziel gemeinsam überprüft?