Arbeitsgruppe: Gesprächsführung
Station: Reflexionsgespräch
Theorie
Gesprächsphasen
- 1. Gesprächseröffnung
- 2. Situation aufklären
- 3. Eigene Gefühle und Beweggründe reflektieren
- 4. Perspektivwechsel fördern
- 5. Erwartungen & Regeln klären
- 6. Vereinbarungen & Ziele entwickeln
- 7. Gesprächsabschluss
- 8. Gespräch selbst reflektieren
Zu Beginn sollte der Rahmen des Gesprächs klar sein und eine Atmosphäre entstehen, in der sich der Schüler öffnen kann.
- Zeitlichen Rahmen festlegen
- Ziel des Gesprächs klar benennen
- Zu Beginn möglichst neutral bleiben, damit der Schüler seine Sicht offen schildern kann
- Notizen ankündigen:
„Ich mache mir ein paar Notizen, damit ich unsere Gesprächsinhalte festhalten kann.“
Mögliche Einstiegsfrage:
- „Weißt du, worüber bzw. warum ich mit dir sprechen möchte?“
Diese Frage kann bereits einen ersten Hinweis darauf geben, wie der Schüler die Situation selbst einordnet und ob er den Vorfall von sich aus anspricht.
In dieser Phase geht es darum, die Sicht des Schülers auf den Vorfall zu verstehen und mögliche Unterschiede zu anderen Aussagen sichtbar zu machen.
- „Kannst du mir erzählen, was aus deiner Sicht passiert ist?“
- „Kannst du mir Beispiele nennen, wie ihr euch geärgert oder angegriffen habt?“
- „Wie hast du die Situation erlebt?“
Dabei kann deutlich werden,
- welche Handlungen der Schüler selbst benennt
- ob Aussagen der Beteiligten voneinander abweichen
- ob wichtige Teile des Geschehens zunächst ausgelassen werden
Jetzt richtet sich der Blick stärker auf die eigenen Gefühle, Impulse und Beweggründe.
- „Wie hast du dich vor, während und nach dem Vorfall gefühlt?“
- „Was hat dich dazu bewegt, so zu handeln?“
- „Was denkst du jetzt, nachdem etwas Zeit vergangen ist, über dein Verhalten?“
Ziel ist es, dass das Kind nicht nur beschreibt, was es getan hat, sondern auch die eigenen Gefühle und Beweggründe besser einordnen kann.
💡 Tipp: Hier können Gefühlskarten eingesetzt werden, um Gefühle zu konkretisieren und leichter benennen zu können. Das kann in dieser Gesprächsart besonders hilfreich sein, da es für Kinder, die Gewalt ausgeübt haben, in diesem Setting herausfordernd sein kann, eigene Gefühle offen anzusprechen.
Anschließend wird der Blick bewusst auf die anderen Beteiligten gelenkt.
- „Wie denkst du, hat sich der andere Schüler während und nach dem Vorfall gefühlt?“
- „Was denkst du, wie andere, die das beobachtet haben, darüber gedacht haben?“
- „Wie hat dein Verhalten die Beziehung zu deinen Mitschülern oder Lehrern beeinflusst?“
Ziel ist es, die Empathiefähigkeit zu stärken und die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere sichtbar zu machen.
Im nächsten Schritt wird das Verhalten mit den Regeln und Erwartungen der Schule abgeglichen.
- Bezug zu Klassenregeln herstellen
- Bezug zu Schulregeln herstellen
- Erwartungen an ein respektvolles soziales Miteinander klar benennen
Hier sollte deutlich werden, welches Verhalten erwartet wird und warum bestimmte Grenzen gelten.
Zum Abschluss des Gesprächsverlaufs geht es darum, konkrete Alternativen und nächste Schritte zu entwickeln.
Wichtig ist, dass der Schüler eigene Vorschläge und Lösungen einbringen kann. Dadurch werden Vereinbarungen für ihn nachvollziehbarer.
- „Was würdest du im Nachhinein anders machen?“
- „Was könntest du tun, damit so etwas in Zukunft nicht wieder passiert?“
- „Welche andere Möglichkeit hätte es gegeben, zu reagieren?“
- „Bist du dir über die Konsequenzen deines Handelns im Klaren?“
- „Gibt es etwas, das dir helfen könnte?“
Ziel ist eine konkrete und möglichst umsetzbare Vereinbarung für zukünftiges Verhalten.
Am Ende werden die wichtigsten Ergebnisse noch einmal zusammengeführt.
- Vereinbarungen und zentrale Gesprächsinhalte kurz zusammenfassen
- weiteres Vorgehen erklären
- klären, was als Nächstes passiert
- ggf. vereinbaren, wann noch einmal nachgefragt wird
Auch nach dem Gespräch sollte kurz geprüft werden, wie das Gespräch verlaufen ist.
- Gespräch aus pädagogischer Sicht nachbereiten
- prüfen, ob die Vereinbarungen realistisch und verständlich waren
- den Schüler ggf. einige Tage später fragen, wie es ihm nach dem Gespräch damit geht