Arbeitsgruppe: Gesprächsführung
Station: Reflexionsgespräch
Zielsetzung dieser Station
Worum es geht
In dieser Station lernt und übt ihr:
- wie ein Reflexionsgespräch strukturiert aufgebaut wird
- welche Leitfragen in den einzelnen Gesprächsphasen helfen können
- wie Schüler dazu angeregt werden, das eigene Verhalten und die eigenen Gefühle zu reflektieren
- wie ein Perspektivwechsel unterstützt werden kann
- wie gemeinsam konkrete Vereinbarungen und Ziele für zukünftiges Verhalten entwickelt werden
- wie das Gespräch anschließend in Clama dokumentiert werden kann
Der nachfolgende Leitfaden orientiert sich dabei am Modell der zielorientierten Gesprächsführung und gliedert das Gespräch grundsätzlich in Gesprächseröffnung, Gesprächsverlauf, Gesprächsabschluss und anschließende Reflexion.
Ein Reflexionsgespräch wird mit einem Schüler geführt, dessen Verhalten nach einem Vorfall gemeinsam aufgearbeitet werden soll. Ziel ist es, dass der Schüler:
- den Sachverhalt aus seiner Sicht schildert
- die eigenen Gefühle und Beweggründe reflektiert
- die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere besser versteht
- die Perspektive anderer Beteiligter einnimmt
- die Regeln und Erwartungen der Schule mit dem eigenen Verhalten abgleicht
- eigene Lösungen und alternative Handlungsmöglichkeiten entwickelt
- gemeinsam mit der Lehrkraft konkrete Vereinbarungen und Ziele für die Zukunft festlegt
Der Leitfaden legt dabei ausdrücklich Wert darauf, dass Schüler eigene Vorschläge und Lösungen einbringen. Dadurch sollen die späteren Vereinbarungen für sie nachvollziehbarer werden.
Sanktionen allein führen nicht automatisch zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung. Sie können Grenzen setzen und deutlich machen, dass ein Verhalten nicht akzeptiert wird. Damit sich Verhalten langfristig verändert, muss das Kind aber auch verstehen, was problematisch war, welche Auswirkungen das eigene Verhalten hatte und wie es zukünftig anders handeln kann. Die Forschung zu schulischen Disziplinarmaßnahmen zeigt, dass rein punitive Ansätze nur begrenzte Evidenz für eine nachhaltige Verbesserung des Verhaltens aufweisen.
Ein Reflexionsgespräch sollte deshalb nicht bei der Reflexion stehen bleiben. Entscheidend ist, daraus konkrete Ziele und nächste Schritte abzuleiten:
- Verhalten reflektieren: Was ist passiert und welche Folgen hatte das eigene Verhalten?
- Alternativen entwickeln: Was kann beim nächsten Mal anders gemacht werden?
- Konkretes Ziel vereinbaren: Welches Verhalten soll sich verändern?
- Umsetzung planen: Wie kann das Kind dieses Ziel konkret erreichen?
- Unterstützung anbieten: Welche Hilfe braucht das Kind von Lehrkräften oder anderen Personen?
- Ziel überprüfen: Nach einem vereinbarten Zeitraum gemeinsam prüfen, ob das Ziel erreicht wurde, und es bei Bedarf anpassen.
Orientierung kann dabei das SMART-Modell bieten: Ziele sollten möglichst spezifisch, messbar, realistisch, erreichbar und terminiert formuliert werden.
Besonders wichtig: Nicht nur festlegen, was sich ändern soll, sondern gemeinsam mit dem Kind klären, wie die Veränderung gelingen kann. Wenn das Kind dafür Unterstützung benötigt, sollte die Schule entsprechende Hilfen bereitstellen. Die Zielerreichung sollte anschließend aktiv nachgehalten und bei Bedarf angepasst werden, damit aus der Vereinbarung tatsächlich eine nachhaltige Verhaltensveränderung entstehen kann.