Arbeitsgruppe: Pädagogische Maßnahmen und schulische Handlungsketten

Station 2: Spezialfall Mobbing – erkennen und intervenieren

Phase 1
Worum es geht
Phase 2
Mobbing erkennen
Phase 3
Rollen & Hintergründe
Phase 4
Handlungskette entwickeln
Phase 5
Anwendung in Clama

Praxis

Handlungskette bei Mobbing

AUFGABE 1: Handlungskette bei Mobbingverdacht entwickeln
Material: PowerPoint „Vorlage Handlungskette bei Mobbingverdacht“: Vorlage_Handlungskette_Mobbing

Schaut euch die Handlungskette bei Mobbingverdacht in der PowerPoint an und füllt die leeren Felder aus, insbesondere wer jeweils wann für die Schritte verantwortlich ist. Ihr könnt den Schritteplan auch verändern: die Reihenfolge anpassen oder einen wichtigen Schritt ergänzen, der euch fehlt.

  1. Geht die Handlungskette auf Folie 2 Schritt für Schritt durch. Tragt ein, wer bei euch zuständig ist und wann der Schritt erfolgt.
  2. Klärt auf Folie 3 die Zuständigkeiten an eurer Schule:
    • Wer ist verantwortlich für das Erkennen?
    • Wer ist bei einem Mobbingfall tätig (Case Manager, Mobbingintervention)?
    • Braucht es noch jemanden, der zur Mobbingintervention fortgebildet wird?

Der No-Blame-Approach ist eine bewährte Methode der Mobbingintervention. Er verzichtet auf Schuldzuweisungen und setzt auf die Verantwortung der Gruppe.

Wer? Die Mobbingintervention führen ausgebildete Fachkräfte durch (Schulsozialarbeit oder Beratungslehrkraft). Die Lehrkraft erkennt, koordiniert und organisiert.

Wann geeignet? Bei Mobbing-Tendenzen, nicht bei schweren oder strafrechtlich relevanten Fällen. In der Grundschule passt der Ansatz gut, weil Kinder gerne offiziell Helfer sind.

Grundregeln

  • Freiwilligkeit
  • nur mit Zustimmung der betroffenen Person
  • ehrlicher und vollständiger Informationsaustausch
  • Vertraulichkeit

Schritt 1: Nahbares Gespräch

  • Einverständnis einholen, Zuversicht vermitteln
  • Soziale Strukturen verstehen: Welche Kinder treiben das Mobbing maßgeblich voran?
  • Vermeiden: insistierendes Nachfragen, unnötige Details erfragen, „krampfhaftes Überreden“

Impuls: Mobbingtagebuch
Im nahbaren Gespräch kann das Kind ermutigt werden, ein Mobbingtagebuch zu führen, gerne gemeinsam mit den Eltern. Wer nur einzelne Ereignisse sieht, erkennt Mobbing oft nicht. Das Tagebuch macht sichtbar, über welchen Zeitraum sich das Mobbing erstreckt. Das Kind hält kurz und knapp fest:

Schritt 2: Unterstützergruppe

  • Zusammensetzung: unbeteiligte, sozial starke Kinder (Mut, Courage, Selbstwertgefühl, Empathie) und die vermutlich ausübenden Kinder
  • Framing: „Kinder helfen Lehrkräften“
  • Verantwortung an die Gruppe übergeben, keine Schuldzuweisungen, die Gruppe nach ihren Ideen fragen

Schritt 3: Abschließende Evaluation

  • Einzelgespräche mit jeder beteiligten Person ca. 1–2 Wochen später

Mehr zum No-Blame-Approach: https://www.no-blame-approach.de/schritte.html

Während die Intervention läuft, braucht das betroffene Kind Sicherheit im Schulalltag.

  • Zuerst ein vertrauliches Gespräch: Was hilft dir? Was macht es schlimmer? Keine Gegenüberstellung.
  • Feste Ansprechperson benennen: Wer ist sofort erreichbar, wenn wieder etwas passiert?
  • Regelmäßige kurze Check-ins: aktiv nachfragen, statt zu warten, dass sich das Kind meldet
  • Risikopunkte identifizieren: kritische Orte, Zeiten und Situationen
  • Aufsicht gezielt erhöhen
  • Fester Prüftermin, z. B. nach zwei Wochen