Arbeitsgruppe: Pädagogische Maßnahmen und schulische Handlungsketten

Station 3: Präventive Maßnahmen – vom Bedarf zum Angebot

Phase 1
Worum es geht
Phase 2
Bestandsaufnahme
Phase 3
Anwendung in Clama
Phase 4
Präventionsvorhaben

Anwendung in Clama

Daten lesen: Welche Bedarfe gibt es?

Reiter 1 · Beispiel: So wird aus Daten Prävention

Die drei Auswertungen stammen aus einer fiktiven Beispielschule. Sie zeigen, wie man aus Clama-Daten Schlüsse für die Prävention zieht.

Beispiel 1 · Art der Ereignisse in der Klasse 4a

Was fällt auf?

  • Fast die Hälfte der Ereignisse ist Treten (45 %). Zusammen mit Faustschlag und weiteren körperlichen Übergriffen ist körperliche Gewalt das Hauptthema.
  • An zweiter Stelle steht verbale Gewalt: Beleidigung (15 %) und Drohung (4 %).
  • Erste Anzeichen digitaler Gewalt gibt es auch: Photoshopping und öffentliche Beleidigungen per Text, jeweils selten.

Mögliche Schlüsse für die 4a:

  • ein Sozialtraining zum Umgang mit Wut und zu körperlichen Grenzen, z. B. Stopp-Regel und Abstand nehmen
  • ein Workshop zum Thema gewaltfreie Kommunikation
  • verletzende Sprache als Thema im Klassenrat
  • digitale Gewalt früh aufgreifen, bevor sie zunimmt

Das ist sekundäre Prävention: gezielt für diese Klasse.

Beispiel 2 · Orte der Vorfälle in der ganzen Schule

Was fällt auf?

  • Mehr als die Hälfte der Vorfälle passiert auf dem Fußballplatz (58 %).
  • An zweiter Stelle steht der Klassenraum (19 %).
  • Bei 12,5 % wurde kein Ort erfasst.

Mögliche Schlüsse für die Schule:

  • Pausenaufsicht am Fußballplatz verstärken oder anders verteilen
  • klare Regeln für den Fußballplatz, z. B. feste Spieltage pro Klasse
  • Alternativen in der Pause anbieten (aktive Pausengestaltung)
  • beim Dokumentieren den Ort immer mit erfassen, damit das Bild vollständig wird

Hier setzt Prävention nicht beim einzelnen Kind an, sondern bei der Struktur der Schule.

Beispiel 3 · Beobachtungen zur Klasse 4a

Was fällt auf?

  • Mehrere Lehrkräfte beobachten unabhängig voneinander, dass sich einzelne Kinder gegenseitig provozieren.
  • Sie beobachten auch, dass über Fehler anderer gelacht wird, dass einige Kinder stark die Aufmerksamkeit der Gruppe suchen und dass sich feste Gruppen bilden.

Mögliche Schlüsse für die 4a:

  • Alle Fachlehrkräfte werden angehalten, auf abwertende Kommentare zu Beiträgen anderer strikt zu reagieren und den Kindern deutlich zu machen, dass das nicht geduldet wird.
  • ein Mobbing-Präventionsworkshop oder ein Präventionstag zum Thema Mobbing für die gesamte Klasse
  • ein Empathietraining: Was macht das mit anderen, wenn sie vor der Klasse ausgelacht oder provoziert werden? Wie würde ich mich dann fühlen?
  • am Klassenklima arbeiten: Klassenrat, eine bewusste Fehlerkultur („Fehler sind erlaubt“)
  • Gruppen bewusst einteilen, statt sie sich selbst finden zu lassen
  • Wirkung im Blick behalten: Verändert sich das Bild in den nächsten Wochen?

Öffnet in Clama das Dashboard und die Auswertungen auf Klassenebene und beantwortet gemeinsam:

Schulebene

  • Welche Ereignisarten treten bei uns am häufigsten auf?
  • Wo passieren die meisten Vorfälle (Orte)?
  • Wann passieren sie (Uhrzeiten, Wochentage)?
  • Wie entwickeln sich die Zahlen über die Monate?

Klassenebene

  • In welchen Klassen häufen sich Vorfälle, und welche Gewaltformen stehen dort im Vordergrund?
  • Welche Gruppendynamiken zeigen sich (Beziehungen, Beobachtungen unter „Aktuelles“)?
  • Wo gibt es auch viel positives Verhalten, an das man anknüpfen kann?

Was sehen wir nicht?

  • Wie viele Ereignisse sind unkategorisiert oder ohne Ort erfasst?
  • Welche Themen tauchen in unseren Daten kaum auf, obwohl wir sie vermuten, z. B. digitale Gewalt oder Vorfälle auf dem Schulweg?

Schlüsse ziehen

    • Was braucht welche Klasse?
    • Was braucht die ganze Schule?
    • Passen unsere bestehenden Angebote aus Phase 2 zu diesen Bedarfen?