Arbeitsgruppe: Gesprächsführung
Station: Aufklärungsgespräch
Phase 1
Zielsetzung
Phase 2
Theorie
Phase 3
Praxisübung
Phase 4
Anwendung in Clama
Zielsetzung dieser Station
Worum es geht
In dieser Station lernt und übt ihr:
- den Aufbau eines Aufklärungsgesprächs
- zentrale Leitfragen für die Gesprächsführung
- wichtige Do’s und Don’ts im Gespräch mit betroffenen Kindern
- die praktische Durchführung in einem Rollenspiel
- die anschließende Dokumentation in Clama
Ein Aufklärungsgespräch wird mit einer von Gewalt betroffenen Person geführt. Ziel ist es:
- den Sachverhalt möglichst vollständig zu erfassen: Was ist wann, wo, mit wem und warum passiert?
- mögliche weitere oder frühere Vorfälle zu erfassen
- die Situation aus Sicht des Kindes besser zu verstehen
- die Kriterien verschiedener Gewaltformen zu überprüfen, um herauszufinden, welche Form von Gewalt vorliegt
- zu klären, welche Unterstützung das Kind braucht oder sich wünscht
Im Rahmen des Aufklärungsgesprächs sollten insbesondere folgende Kriterien überprüft werden:
- Schädigungsabsicht: Wird das Kind gezielt verletzt, beleidigt, ausgegrenzt oder unter Druck gesetzt?
- Wiederholung: Ist das Verhalten bereits mehrfach aufgetreten oder besteht es schon länger?
(bei Mobbing: wiederholt, häufig über einen Zeitraum von ca. zwei Monaten oder länger) - Machtungleichgewicht: Besteht ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den beteiligten Personen?
- Hilflosigkeit: Kann sich das betroffene Kind selbst ausreichend wehren oder fühlt es sich der Situation ausgeliefert?
Das Aufklärungsgespräch wird mit dem betroffenen Kind geführt, nicht gemeinsam mit der möglicherweise ausübenden Person.
Warum das wichtig ist:
- Bei einem gleichberechtigten Konflikt kann ein gemeinsames Klärungsgespräch (Mediationsgespräch) sinnvoll sein, allerdings ist oft zunächst unklar, ob es sich überhaupt um einen gleichberechtigten Konflikt handelt.
- Bei Machtungleichgewicht, wiederholter Gewalt oder Mobbing kann ein gemeinsames Klärungsgespräch kontraproduktiv sein. Denn:
- Es kann zusätzlichen Druck auf das betroffene Kind erzeugen.
- Auch im Gespräch selbst kann sich das bestehende Machtgefälle fortsetzen, z. B. durch deutlich unterschiedliche Redeanteile.
- Aus Angst oder Unsicherheit werden dadurch möglicherweise wichtige weitere Informationen nicht berichtet.
- Deshalb sollte zunächst geklärt werden, welche Situation tatsächlich vorliegt, bevor eine gemeinsame Gesprächsform gewählt wird.
Merksatz:
Erst aufklären und einordnen – dann die weiteren passenden Schritte einleiten.